Neuer Boom auf dem französischen Photovoltaik-Markt?

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Die französische Regierung hat die Initiative #PlaceAuSoleil (wörtlich: „Platz an der Sonne“) ins Leben gerufen und sowohl Total als auch EDF haben für die kommenden Jahre massive Investitionen in den PV-Sektor angekündigt. Die Zukunft sieht für den PV-Markt in Frankreich rosig aus, aber dennoch sind einige Schwierigkeiten und Hindernisse zu bewältigen.

Vor einigen Wochen kündigte der ehemalige französische Staatssekretär im Ministerium für ökologischen und solidarischen Wandel, Sébastien Lecornu, in einer mit Spannung erwarteten Rede zum Abschluss der vom Umweltministerium eingerichteten Arbeitsgruppe, ein Paket mit 30 Maßnahmen zur Förderung und Entwicklung von Photovoltaik-Projekten in Frankreich an. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem folgende:

 

  • Bestätigung des Ausbaus der Gesamtkapazitäten, die durch Ausschreibungen zugeteilt werden sollen, von 1,45 auf 2,45 GW pro Jahr;
  • Verlängerung der Steuerbefreiung für Prosumers, d.h. Verbraucher, die ihren eigenen Strom erzeugen;
  • Reduzierung der regulatorischen Beschränkungen so genannter „kollektiver Eigenverbrauchsprojekte“;
  • Möglichkeit für externe Investoren, individuelle oder kollektive Eigenverbrauchsprojekte zu finanzieren;
  • Start einer neuen Ausschreibung für kollektive Eigenverbrauchsprojekte und Erhöhung der Kapazitäten, die in diesem Rahmen für Eigenverbrauchsprojekte zugeteilt werden;
  • Verpflichtung des französischen Militärs, bis 2025 über 2.000 Hektar für PV-Projekte zur Verfügung zu stellen;
  • Zusage der größten französischen Supermarktketten, Solarprojekte auf den Dächern ihrer Supermärkte und Logistikzentren massiv zu entwickeln;
  • Vereinfachung der Bestimmungen des französischen Raumordnungsgesetzes zur Erleichterung der Aufstellung von PV-Modulen auf Parkplätzen sowie Entwicklung solarbetriebener Gewächshäuser;
  • Zusage der französischen Staatsbahn, in den nächsten fünf Jahren mindestens 200 Hektar für Solarprojekte zur Verfügung zu stellen und Eigenverbrauchsprojekte zu entwickeln;
  • Start gezielter Mehrjahresausschreibungen in den französischen Überseegebieten;
  • Einführung einer Mindestfläche auf Dächern, die in neu errichteten Gewerbegebäuden mit Solarzellen ausgestattet sein muss;
  • Anhebung der Kapazitätszuteilung für Solarprojekte in Verbindung mit landwirtschaftlichen Projekten und allgemein für Solarprojekte auf Bauernhöfen.

Fast noch spektakulärer waren die Ankündigungen der beiden Marktführer im französischen Energiesektor. Zuerst ließ der führende französische Versorger EDF Mitte Dezember 2017 verlauten, dass er die Verwirklichung von PV-Projekten in Frankreich mit rund 30 GW bis 2035 plant, gegenüber derzeit nur 200 MW. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden von EDF würde die Umsetzung des PV-Plans von EDF dazu führen, dass sich der Anteil von Solarstrom an der Gesamtstromerzeugung auf französischem Staatsgebiet vervierfachen würde. Mehrere Kommentatoren haben festgestellt, dass die Gesamtleistung dieses PV-Plans der Hälfte der Gesamtleistung der Kernkraftwerke von EDF in Frankreich entsprechen würde. Das ist ein bedeutender Paradigmenwechsel für EDF, die ab 2020 massiv in den französischen PV-Sektor investieren wird. Dazu erwartet EDF von der französischen Regierung, dass sie die Obergrenze der Höchstleistung, die einem einzigen PV-Projekt im Rahmen der Ausschreibungen zugewiesen wird, von derzeit lediglich 17 MWp auf 100 MWp anhebt. Dies würde auch bedeuten, dass EDF 25.000 bis 30.000 Hektar Land finden muss, um ihre Projekte zu entwickeln, was eine enorme Herausforderung für den französischen Versorgungsgiganten darstellt.

 

Mit Blick auf die Pläne der Regierung kündigte Total an, dass der Konzern die Aufstellung von Solaranlagen in Frankreich mit einer Gesamtkapazität von 10 GW innerhalb von 10 Jahren plant. Der Vorstandsvorsitzende von Total wies darauf hin, dass die Gesamtkapazität zwar niedriger ist als bei EDF, dass sie aber schneller installiert werden soll. Total besitzt zahlreiche Brachflächen, die relativ einfach in große Solarparks umgewandelt werden können. Der Konzern befasst sich außerdem mit der Möglichkeit, Solarzellen auf die Dächer seiner zahlreichen Tankstellen zu montieren. Dabei ist auch darauf hinzuweisen, dass Total nach der Übernahme von SunPower, Tenesol, Off Grid Electric, Powerhive und unlängst Direct Energie, der Muttergesellschaft des erneuerbare Energien-Pioniers Quadran, zu einer festen Größe im Bereich erneuerbare Energien weltweit geworden ist.

Am vergangenen 17. Oktober haben Engie und die Tochtergesellschaft einer der größten französischen Supermarktketten (GreenYellow, Casino-Konzern) die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens mit Namen Reservoir Sun bekannt gemacht, das die Entwicklung von Solarprojekten auf den Dächern der Gebäude von Unternehmen und lokalen Behörden zum Zweck hat. Abgezielt werden eine Gesamtkapazität in Höhe von 100 MWp und eine Gesamtinvestition in Höhe von 100 Millionen Euro pro Jahr.

Allerdings müssen diese Ankündigungen erst noch Realität werden. Die Herausforderung für die Betreiber ist enorm, da etliche gesetzliche und rechtliche Schranken, die vom französischen Ministerium nicht erwähnt wurden, bestehen bleiben:

 

  • Die Projektträger müssen ihre Projekte im Rahmen von Ausschreibungsverfahren vorlegen, so lange ihre Kapazität 100 kWp oder mehr für Projekte mit Solaranlagen auf Gebäuden und 500 kWp oder mehr für Solaranlagen auf dem Boden beträgt. Trotz wiederholter Aufrufe der Vertretungsorganisationen des französischen Photovoltaiksektors lehnte die Regierung eine Anhebung dieser Obergrenzen ab und behindert so die Entwicklung der Solarenergie.
  • Die Ausschreibungsbestimmungen verlangen vom Projektträger, dass er eine finanzielle Absicherung von 30 € pro kWp bereitstellt. Kleine und mittelgroße Betreiber im Photovoltaiksektor sind nicht immer in der Lage, diese Anforderung zu erfüllen, oder erleiden drastische Einschnitte bei den Projektrenditen.
  • Die Entwicklung der Solarenergie hängt in Frankreich letztendlich vom Eigenverbrauch ab, vor allem in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbegebäuden. In den letzten Monaten sandte die französische Regulierungsbehörde für den Energiesektor („Commission de Régulation de l’Energie“) sehr gemischte Signale über die Entwicklung dieses neuen Verbrauchsmodells aus. Unlängst legte sie eine separate, allerdings nur optionale „Nutzungsgebühr für das öffentliche Stromnetz („Tarif d’Utilisation du Réseau Public d’Electricité“, „TURPE“) fest. Hauptmerkmal dieser „TURPE“ ist eine Anhebung um 15% gegenüber der traditionellen „TURPE“ für den von Prosumers zusätzlich zu ihrem Solarstrom verbrauchten Strom. Außerdem soll die „TURPE“ auch für den Verbrauch des Stroms entrichtet werden, der von Solaranlagen erzeugt und der Verbrauchergruppe zur Verfügung gestellt wird. Dadurch erweckte die Regulierungsinstanz den Eindruck, dass sich Eigenverbrauch negativ auf die Bilanz des Elektrizitätssystems auswirkt.
  • Die Einspeisevergütungen (oder Ausübungspreise im Differenzkontraktsystem) werden von der französischen Regierung landesweit festgelegt, obwohl es erhebliche Unterschiede in der potenziellen Leistung der Solarenergie zwischen Nord- und Südfrankreich gibt. Es sollte „Regionaltarife“ geben, um die harmonische Entwicklung von PV-Projekten in ganz Frankreich zu unterstützen.
  • Die steuerlichen Rahmenbedingungen könnten für Prosumers weiter verbessert werden.

Trotz dieser Vorbehalte macht sich im französischen PV-Sektor Optimismus breit. Jetzt ist es Aufgabe der politischen Entscheidungsträger, die derzeit im Rahmen der für Anfang November 2018 angekündigten „Mehrjahresplanung für Energie“ („Programmation Pluriannuelle de l’Energie“, „PPE“) über den Energiepfad Frankreichs bis 2030 und danach debattieren, die Erwartungen zu erfüllen.

AEEC

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